In den Straßen Nairobis kochen die Emotionen hoch: Am Montag und Dienstag, dem 9. und 10. Juni 2025, gingen Hunderte von Demonstranten auf die Straßen, um gegen den mysteriösen Tod des kenianischen Bloggers Albert Ojwang zu protestieren. Der 31-jährige Lehrer und Social-Media-Influencer wurde am Sonntag, dem 8. Juni, tot in einer Zelle der Central Police Station in Nairobi aufgefunden – nur zwei Tage nach seiner Verhaftung in Homa Bay, 400 Kilometer entfernt. Die Umstände seines Todes werfen ernste Fragen über Polizeigewalt und die Einschränkung der Meinungsfreiheit in Kenia auf.
Ein Tod, der Zweifel weckt
Die Polizei behauptet, Ojwang habe sich selbst verletzt, indem er seinen Kopf gegen die Wand seiner Zelle schlug. Doch eine Autopsie, durchgeführt von Dr. Bernard Midia, dem staatlichen Pathologen, widerlegt diese Darstellung.
Die Untersuchung ergab, dass Ojwang durch Strangulation starb und multiple Verletzungen am Kopf, Gesicht, Händen und Körper aufwies – Verletzungen, die eindeutig auf einen Angriff hindeuten. „Das Verletzungsmuster passt nicht zu einem Aufprall gegen eine Wand“, erklärte Dr. Midia bei einer Pressekonferenz. Diese Diskrepanz hat die Empörung weiter angeheizt.
Der Hintergrund: Eine Verhaftung mit fragwürdigem Motiv
Ojwang wurde am Freitag in Homa Bay verhaftet, angeblich wegen eines kritischen Beitrags auf der Plattform X über den stellvertretenden Polizeichef Eliud Lagat. Statt lokal inhaftiert zu werden, wurde er über Nacht 400 Kilometer nach Nairobi gebracht – ein Verstoß gegen die Verfassung, die eine lokale Bearbeitung von Verhaftungen vorschreibt.
Aktivisten wie Ndungi Githuku fragen: „Wie konnte er sich selbst so viele Verletzungen zufügen?“ Die Familie und ihr Anwalt bestätigen, dass Ojwangs Körper Spuren schwerer Misshandlungen aufweist.
Öffentlicher Aufschrei und Forderung nach Gerechtigkeit
Die Nachricht von Ojwangs Tod löste eine Welle der Empörung aus, sowohl auf den Straßen als auch online. Unter dem Hashtag #JusticeForAlbertOjwang fordern Kenianer*innen Transparenz und Konsequenzen.
Die Proteste vor dem Nairobi Funeral Home und der Central Police Station wurden von der Polizei mit Tränengas beantwortet, was die Spannungen weiter verschärfte. Amnesty Kenya und die Law Society of Kenya (LSK) haben die Verhaftung scharf kritisiert und fordern, dass die Ergebnisse der Untersuchung durch die Unabhängige Polizeiaufsichtsbehörde (IPOA) veröffentlicht werden. Polizeichef Douglas Kanja hat angekündigt, dass die beteiligten Beamten suspendiert wurden, doch viele zweifeln an der Unabhängigkeit der Ermittlungen.
Ein Muster der Gewalt
Ojwangs Tod reiht sich in eine besorgniserregende Serie von Vorfällen ein. Vor fast genau einem Jahr, während der Proteste gegen das umstrittene Finanzgesetz 2024, wurden mehrere Aktivisten getötet oder entführt.
Die wirtschaftliche Frustration in Kenia bleibt hoch, und die Polizeigewalt scheint ein Symptom tieferliegender Probleme zu sein. Menschenrechtsorganisationen wie die International Commission of Jurists (ICJ) Kenya kritisieren die Praxis der „Kamata Kamata Fridays“, bei der Verhaftungen vor dem Wochenende erfolgen, um Gerichtsvorführungen zu verzögern.
Ein Aufruf zum Handeln
Der Tod von Albert Ojwang ist nicht nur ein tragischer Verlust für seine Familie – er hinterlässt eine Witwe und ein fünf Monate altes Kind – sondern auch ein Weckruf für Kenia. Die Bürgerinnen fordern Reformen, um die systematische Polizeigewalt zu beenden und die Meinungsfreiheit, insbesondere in sozialen Medien, zu schützen.
Die laufende IPOA-Untersuchung steht unter Beobachtung, doch das Vertrauen in staatliche Institutionen ist gering. Die Proteste und die Online-Kampagne zeigen, dass die Kenianerinnen nicht schweigen werden, bis Gerechtigkeit für Ojwang und andere Opfer von Polizeigewalt erreicht ist.
Was können wir tun?
Verfolgt die Entwicklungen unter #JusticeForAlbertOjwang auf X.
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